Update: No-Poo – Haare waschen ohne Shampoo

Update vom 04.05.2015:

Zum Spülen verwende ich mittlerweile Zitronensäure (mit Wasser verdünnt natürlich) statt Essig. Essig macht die Haare zwar glänzender, aber Zitronensäure kann man als Pulver kaufen und so ist es nicht nur praktischer, es entsteht auch weniger Müll. Und Zitronensäure stinkt nicht so!

Beitrag vom 12.02.2015:

Den Begriff „No-Poo“ hat als erstes die Autorin Lorraine Massey in ihrem Buch Curly Girl verwendet. Er bezeichnet das Haare waschen ohne gekauftes Shampoo, dabei gibt es viele Unterkategorien. Hier die wichtigsten:

  • ROM (Rinse-Only-Method) wobei die Haare nur mit Wasser gespült werden
  • NW/SO (No Water, Sebum Only) wobei die Haare nicht einmal mehr mit Wasser gespült, sondern nur noch gebürstet werden
  • Waschen mit selbstgemachten Shampoos, z.B. aus Waschnüssen, Kastanien oder Natron und Essig

In Hollywood ist No-Poo zurzeit ein Trend mit Anhängern wie den Olsen Zwillingen, Adele, Amanda Seyfried, Robert Pattinson oder Prince Harry. Zumindest liest man das in der Klatschpresse.

Mir gefiel die Vorstellung Zeit und Geld zu sparen und gleichzeitig schöneres, glänzenderes Haar zu bekommen. Ich habe einige Erfahrungsberichte im Internet gelesen; bei vielen Menschen scheint es wirklich zu klappen, dass man erst eine Phase von 4-6 Wochen überstehen muss, in denen man eklig fettige Haare hat und danach produzieren die Talgdrüsen weniger Öl und man braucht die Haare nur noch mit Wasser spülen für gesunde, glänzende Haare. Leider hat es bei mir nicht geklappt, wobei ich zugeben muss, dass ich maximal zwei Wochen ohne Haare waschen durchgehalten habe, da bei mir Haut und Haare zu ölig sind und dann auch der Pferdeschwanz durch das ganze Fett so schwer wurde, dass ich zum Teil Kopfweh davon bekam.

Meine ersten Erfahrungen dazu: die Haare werden tatsächlich glänzender und dicker, wenn man sie seltener wäscht. Auch die Konsistenz des Talgs ändert sich von wachsartig mehr zur Konsistenz eines leichten Mandelöls. Sehr deutlich habe ich auch gemerkt, dass mir weniger Haare ausfielen (wobei manche Hautärzte sagen, dass sich bei No-Poo der Wachstumszyklus der Haare verlängert, so dass einem weniger Haare ausfallen, weil sie auch weniger schnell nachwachsen).

Was mich positiv überrascht hat: Nach einer durchtanzten Nacht auf der Reeperbahn reicht es die Haare mit warmem Wasser zu waschen, um Zigarettengeruch und Schweiß herauszuspülen. Da werde ich auch zukünftig so machen, wenn ich mir die Haare kurz vorher erst gewaschen habe.

Da ROM (siehe oben) bei mir also nicht funktioniert, wasche ich mir die Haare nun mit Natron und Essig. Das ist billig, biologisch abbaubar und es sind keine komischen Chemikalien oder Silikonöle enthalten. Früher habe ich verschiedenste teure Schuppenshampoos aus der Apotheke ausprobiert, aber mit Natron und Essig komme ich tatsächlich am besten klar, habe am wenigstens Schuppen und die gesündeste Kopfhaut, die ich als Erwachsener je hatte.

Meine Haarwasch-Rezeptur:

1. zwei Teelöffel Natron mit ca. 300 ml kochendem Wasser aufgießen. Kochend, weil wir in Hamburg hartes Wasser haben und sich der Natron sonst schlecht auflösen würde. Bei weichem Wasser kann man Natron auch direkt in lauwarmem Wasser auflösen. Dann die Mixtur zum Abkühlen stehen lassen. Am einfachsten geht es, wenn ich morgens sowieso Wasser für einen Tee aufkoche, dann kann die Haarwasch-Mixtur bis nach dem Frühstück stehen bleiben und hat dann die richtige Temperatur. Oder man kippt noch etwas kaltes Wasser dazu.
Natron und Wasser ergibt eine Lauge (nicht verwechseln mit Natronlauge, die ist ätzend und darf nicht mit der Haut in Kontakt kommen). Laugen sind sehr gut darin Fett zu lösen. Unter der Dusche die Lauge einmassieren, wobei man nur den Ansatz oben auf dem Kopf waschen muss. Dann ausspülen. Wenn man jetzt aufhören würde, hätte man zwar saubere, aber auch sehr strohige, trocken Haare. Daher ist der zweite Schritt sehr wichtig.

2. Essig: Manche mischen auch hier ein paar Esslöffel Essig mit Wasser für die Spülung, aber dafür bin ich zu faul. Ich kaufe einfach den billigsten Essig und kippe diesen pur oder halb mit Wasser gemischt über die Haare (ca. 250 ml pro Haarwäsche). Dann sehr gründlich ausspülen. Die Haare können anschließend noch leicht nach Essig riechen, aber mit dem Trocknen verfliegt der Geruch. Essig ist eine Säure und führt dazu, dass Kalkrückstände vom Haar gewaschen werden und schließt auch irgendwie die Schuppenschicht des Haares. Ich werde niemals wieder in meinem Leben eine teure Haarspülung kaufen, seitdem ich weiß, wie toll glänzend und kämmbar die Haare mit Essig werden.

Leider ist die journalistische Berichterstattung zu dem Thema meist schlecht recherchiert, wie z.B. in diesem Bericht von ProSieben.

10 Gedanken zu „Update: No-Poo – Haare waschen ohne Shampoo

  1. Gunnar Antworten

    Das funktioniert ja wirklich. Und ist weniger Aufwand als normales Haare waschen – muss ja kein Schaum raus. Man kommt mit 300ml locker aus – als Mann. Achtung: Das Natron und Essig brennt etwas in den Augen. Das Haar fühlt sich besser an als bei Shampoo. Nicht so seidig.

    • Tina Antworten

      Ich wasche meine Haare nun seit 14 tg auch mit natron u verwende danach eine Essig als Spülung.aber mein Ansatz fühlt sich immer klatschig an.trotz langen auswaschen.wird das mit der zeit besser?oder hattest du sowas gar nicht?

      • Anka Autor des BeitragsAntworten

        Besser spät als nie nun endlich meine Antwort: Also einen klatschigen Ansatz hatte ich nicht. Manchmal hat das Haarewaschen nicht geklappt mit dem Natron, weil z.B. das Wasser zu kalkhaltig war (dann heißes Wasser nehmen) oder das Natron zu alt (dann hat es mit dem Sauerstoff in der Luft reagiert und man muss mehr Natron nehmen). Wenn aber gar nichts klappt, würde ich an Deiner Stelle zu Haarwaschseifen oder einem Naturshampoo wechseln. Man muss sich ja auch nicht unnötig quälen.

        • Gunnar Zarncke Antworten

          Ich wasche meine Haare weiterhin nicht immer aber gelegentlich mit Natron und Essig. Geht eigentlich sogar schneller als normales Waschen, weil man nicht so lange für das ausspülen braucht. Ich würde sogar sagen die Haare trocknen schneller, aber das kann Einbildung sein.

          Grunsätzlich stimme ich der Dosierung von Anka zu, aber da ich nicht exakt abmesse und auch etwas mehr Wasser zum Ausspülen nehme würde ich sagen ein Test, ob das Verhältnis von Natron zu Essig stimmt ist, wenn
          a) die Haare seifig werden und
          b) es beim Ausspülen etwas zischt (die Reaktion von Natron und Essig)

          Kochendes Wasser nehme ich übrigens nicht, sondern nur so heißes Wasser, dass man es noch mit den Fingern umrühren kann. Das kühlt in der großen Schale schnell genug ab.

  2. Pingback: Haare waschen mit Lavaerde - Großstadtgrün.de

  3. Angelika Antworten

    Dann will ich auch nochmal meinen Senf dazu geben.
    Ich wasche, seit dem Du gepostet hast, Anka, auch mit Natron.
    Bisher keine Beschwerden. Ausserdem habe ich normalerweise im Winter echte Probleme mit meiner Kopfhaut. Fieser Kreislauf zwischen trocken-schuppig und zu schnell nachgefettet. Dieser Kreislauf ist jetzt anscheinend durchbrochen. Es juckt nichts, schuppt weniger und die Talgproduktion scheint sich zu beruhigen. Sehr angenehm auch, dass die Haare irgendwie besser liegen – wie Gunnar schon schreibt: Nicht so seidig.
    Ich hoffe, dass dies zur Dauerlösung werden kann. Dann verschwindet schon wieder eine Plastikflasche aus der Dusche. Als nächstes versuche ich die geringen Mengen an Duschgel (Babyprodukt – hochsensitiv aber immer noch in Plastikflasche und mit 2 Zutaten, die eigentlich gar nicht gehen…) durch reine Olivenöl-Seife im Block zu substituieren. Falls sich das als unpraktisch erweisen sollte, mache ich mir aus dem Block Flüssigseife und die kommt dann in die alten Pumpflaschen…

    Noch etwas: Essig ist in unserer Familie (Verdünnung 1:5) schon länger Bestandteil der Haarpflege. Für verklettete Kinderhaare ist diese Mischung in der Sprühflasche der Hit. Bin ich drauf gekommen, als ich mal geguckt habe, was in herkömmlichen „Anti-Ziep“-Sprays so alles drinne ist :-O

  4. Anka Autor des BeitragsAntworten

    Das finde ich cool, Angelika. Nun haben schon mindestens drei Personen das Haare waschen mit Natron wegen meines Blogeintrags ausprobiert :-)
    Ich finde das Duschen mit einem Stück Seife gar nicht so unpraktisch, habe mir aber extra eine Seifenschale für die Duschstange gekauft, damit die Seife besser trocknen kann und nicht so matschig wird.
    Wenn ich verreise, wickele ich die Seife in einen Waschlappen ein, das reicht. So eine Plastikdose braucht man gar nicht.

  5. Alexandra Antworten

    Ich wasche mir seit einiger Zeit die Haare mit kalt gerührter Haarseife aus rein natürlichen Zutaten aus dem Internet. Danach saure Rinse mit Zitronensaft / Wasser Mischung. Ergebnis: viel schönere Haare (meine sind lang und blond) und griffiger – und – jetzt kommts – ich habe festgestellt, dass ich leichte Wellen habe, total schön!

  6. melanie Antworten

    Sehr interessanter Artikel. Hab mir deinen Blog in meinen Favoriten abgespeichert und bin sicher hier ein Stammgast. Hoffe du veröffentlichst in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann hast du eine Stammleserin gewonnen :-)

  7. franzi Antworten

    Danke für den interessanten Beitrag ich hab schon mehrere Beiträge zu dem thema gesehen aber dieser Blog ist echt gut

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